Publishing House of the People's Republic of China

Working in China

Nach erfrischenden drei Stunden Schlaf, begann gestern mein erster Arbeitstag um 6 Uhr. Ich überlegte kurz wann ich das letzte Mal so früh aufgestanden bin. Kann mich aber nicht erinnern. An der Schranke meiner Gated Community steht bereits ein Taxi. Ich signalisiere dem Fahrer, dass ich mitfahren möchte und zeige ihm den Zettel auf dem die Bushaltestelle steht zu der ich möchte. Unsicher, ob er verstanden hat was ich von ihm will, zeige ich nochmal auf den Zettel. “Ok”, sagt er und lacht mich freundlich aus. Wir brettern los.

Mir wurde empfohlen ausreichend Zeit einzuplanen, da die Rush-Hour in Beijing mehr als verrückt ist. Allerdings ist durch die Alarmstufe Organe wegen der Smog-Glocke nicht viel los. Viel zu früh erreiche ich die Bushaltestelle und ergatter im Bus sogar einen Sitzplatz. 50 Minuten zu früh erscheine ich auf der Arbeit. Eine persönliche Prämiere auf die ich ein klein wenig stolz bin.

"Rush-Hour"
“Rush-Hour”

Die erste Zeit arbeite ich für ein Verlag, der dem Außenministerium untersteht. Die Redaktion in der ich arbeite wird von dem Bildungsministerium der Volksrepublik China gefördert. Sie entwickeln Magazine für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die ihnen die Englische Sprache und die westliche Welt näher bringen soll. So erhalte ich einen sehr authentischen Blick in die chinesische Arbeitsweise und die Strukturen und bewege mich nicht nur in einer Exapt-Blase außerhalb Deutschlands. In sozialistischer Manier bekomme ich hier drei Mal am Tag kostenlos zu essen. Buffet fur umme. Mein Herz lacht.

Als die Arbeitszeit begann, bekomme ich von einer Kollegin einen Platz zugeteilt. Der Rechner fährt hoch. Guten Morgen Windows xp. Lange nicht mehr gesehen. Anschliessend offne ich Word 2003. Alles in chinesisch – versteht sich. Ich werde an einen anderen Verlag in Deutschland erinnert, bei dem ich auch einige Monate mit sehr aktuellen Programmen gearbeitet habe. Allerdings auf Deutsch. Anschliessend versuche ich mit dem Internet-Explorer! online zu gehen. Meinen Vorschlag einen anderen zu installieren wird dankend abgelehnt. Ich versuche es trotzdem. Während der Download läuft und sich das Rädchen im Schneckentempo schließt, rast ein kleine Rakete umher und versucht mir weiß zu machen, dass es sich hier nicht noch um Stunden handeln kann. Download abgeschlossen – funktioniert nicht. Liebe Grusse von der chinesischen Regierung.

Meine erste Aufgabe ist die Redigatur von zwei Artikeln fur die nachste Ausgabe. Mir fallen die Unterschiede sowohl stilisch als auch formal auf. Die Art und Weise zu schreiben ist putzig. Ich stelle mir einen solchen Artikel im Spiegel vor. Ich frage mich ob das die einzige Aufgabe für heute sein soll. Ich frage nach. Entschuldigend werde ich angeschaut. Ja, es sei viel aber es wäre schon gut wenn es heute fertig wird. Ich bewahre das Pokerface und gehe zurück an meinen Platz. Nach meiner anfänglichen Freude frage ich mich was ich die restlichen 7 Stunden auf der Arbeit machen soll. Erfreut stelle ich fest, dass die Artikel in schlechtem Englisch geschrieben sind. Ich schreibe sie komplett um.

Editorial Office in Beijing China
Editorial Office in Beijing China

Bereits um 11.30 Uhr gehen wir in die Mittagspause. Die Kantine hat bis 13.30 geöffnet, also schläft die ganze Redaktion – inklusive mir – die restliche Zeit am Platz im Stuhl. Jedesmal wenn draußen jemand am Raum vorbei läuft, schrecke ich schuldbewusst auf. Meine chinesischen Kollegen haben bereits die Tiefschlafpahse erreicht haben.

Nach dem Mittagsschläfchen geht es weiter. Gegen Feierabend rasselt allerdings eine Aufgabe auf meinen Tisch, die mich dann doch noch ins Schwitzen bringt. Für einen Podcast werde ich englische Texte einsprechen. Ich erinnere mich an alte Tage im Aufnahmestudio des Radios. Einsprechen hat noch nie zu meinen Starken gehört. Ausgebrannt komme ich um 19 Uhr nach Hause.

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