Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen - Goethe

Chinese get together

Chinesen erweisen sich mir gegenüber als sehr gastfreundlich. Gerne werde ich überall mitgenommen und eingeladen. Auch heute. So finde ich mich zum Mittagessen in einem separaten Raum des Restaurants wieder. Der runden Tisch ist bis auf den letzten Zentimeter mit Essen gefüllt. In China erhält nicht jeder sein eigenes Gericht, sondern alle bedienen sich mit ihren Stäbchen aus den Schüsseln. Während ich in Sorge bin jemanden anzustecken, werde ich schon fast dazu gezwungen unbeschwert zu essen. „Wir haben keine Angst vor deiner Grippe. Greif zu“, mein Gegenüber zeigte mit den Essstäbchen nachdrücklich auf mich. Auch meine Bedenken mit den Medikamenten lieber keine Flasche Wein zu trinken, werden im Wind zerstreut: „Das wird dir gut tun. Dann kriegst du Farbe im Gesicht.“

Is it true…?

Gerne werde ich mit Fragen über Deutschland gelöchert. Stimmt dies? Stimmt das? Viele Stereotypen kenne ich bereits zu genüge. Die Deutschen seien sehr ernst und tüchtig. Ich stimme zu. Die Runde findet, dass Deutsche sich selbst und das was sie tun zu ernst nehmen. Gemeinsam lache ich mit den Chinesen über meine Landsmänner. Stimmt es, dass die Deutschen Frauen keine Kinder mehr bekommen wollen? Gute Frage. Stimmt das? Ich glaube nicht. Der Spagat zwischen Karriere und Familie ist in Deutschland nur schwer zu meistern. Meist bleibt eins auf der Strecke oder die Lebensqualität der Frau leidet zu sehr unter der Doppelbelastung. Die Frage nach dem Phänomen, dass alle Deutschen perfekt Englisch können, muss ich allerdings lachend verneinen. Fasziniert hören sie zu und diskutieren das Gesagte danach sofort eifrig auf Chinesisch, während sie blitzschnell mit ihren Stäbchen in der Luft herumfuchteln.

Zu guter Letzt nehmen mich die Frauen beiseite. Was das Geheimnis meiner hellen und ebenmäßigen Haut sei wollen sie wissen. Die Chinesinnen erzählen mir, dass sie bereits einige Mittel zum Aufhellen der Haut ausprobiert haben aber nichts erzielt zufriedenstellende Erfolge. Im Gegensatz zu westlichen Kulturen ist die braune Haut hier ein Zeichen für Armut.

Rammstein in China

Die junge Gastgeberin und ihr Mann bestehen darauf mich nach Hause zu fahren. Während sie in einen riesigen Pampersbomber einsteigt und ausparkt, fachsimple ich mit dem Mann über deutsche Autos. Viel lieber hätte er einen BMW gekauft aber seine Frau wollte so eins haben, wie die amerikanischen Soccer Mums. Als wir einsteigen erzählt er mir, dass er gerne Rock-Musik hört. Da gäbe es doch auch eine deutsche Band. Ich spitze die Ohren. Auf Grund der Aussprache dauert es eine Weile bis ich verstehe, dass es sich um Rammstein handelt. Ich bin restlos begeistert. Schnell zaubert er das Album „Liebe ist für alle da“ hervor. Während der drei jährige Sohn vom Rücksitz der Mutter befielt die Musik gefälligst lauter zu machen, fahren wir zu den Klängen von „Frühling in Paris“ durch Beijing. Über die Tatsache, dass sie mich nicht nach der Bedeutung des Songtext gefragt haben, bin ich allerdings mehr als dankbar.

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