Journalism in China

Journalism in China: Interviewing Part 1

Schon während ich die Fragen vorbereite, denke ich darüber nach, ob ich die Zielgruppe richtig fokussiert habe. Wir interviewen den Dean und die Stellvertreterin der Emory Law School aus Atlanta. Sie wollen ihre Universität international promoten – auch in China.

Behind the scenes…

Ich lege meiner Kollegin meinen Fragenkatalog vor. Ich beobachte sie während sie liest. Keine Reaktion. Mir war wichtig die Hintergründe der Promotion-Tour zu erfahren. Warum geht eine Law School aus Amerika international auf Studenten-Fang? In meiner Recherche finde ich heraus, dass sich die Emory Law School auf Platz 19 der amerikanischen Law Schools befindet. Das Ranking wurde von den der U.S. News erstellt. Mit einem knackigen Jahresbeitrag von etwas mehr als 48.000$ möchte ich vor allem den Kosten-Nutzen-Faktor hinterfragen. Zumal die gut betuchte Zielgruppe mit läppischen 8.000$ mehr auch den renommierten Namen von Yale oder der Harvard University mitkaufen könnte. In einer Welt, in der solche Summen keine grosse Rolle spielt, legen Menschen meist mehr Wert auf das Renommee und den Namen der Universität, als auf die fachliche Qualität. Warum sollte man sich also mit Platz 19 zufrieden geben?

Why should we ask that…?

“Ich verstehe die Fragen nicht. Warum sollte man sowas fragen? Was soll denn da für eine Antwort kommen?”, meine Kollegin schaut mich an. Ich sage ihr, dass ich es interessant finde zu wissen welchen Wert dieses Studium überhaupt hat. “Warum sollte man sich für die Hintergründe interessieren?”, wieder schaut sie mich verständnislos an. In meiner tief vergrabenen Welt der Emotionen wird ein zuckersüßes Eichhörnchen überfahren, als mir das volle Ausmaß dieser Frage bewusst wird. Etwas verstört erkläre ich, dass es essentiell ist – als Journalist – alles und jeden zu hinterfragen. Hintergründe und verstecke Absichten zu erkennen, zu analysieren, sich gegen Manipulation zu sperren und die gewonnen Erkenntnisse in sein eigenes persönliches Weltbild und in das allgemein gültige Gesamtbild einzuordnen, um unabhängige und qualitativ hochwertige Entscheidungen treffen zu können. Nach meinem leidenschaftlichen Monolog über meine Werte erwarte ich eine Reaktion. “Ok”, sie schaut mich an als hätte ich gerade gesagt, dass ich mich heute für weiße anstatt schwarze Socken entschieden habe. Ich versuche es anders. Was ist denn für junge Chinesen interessant? Also die Eltern von jungen Chinesen würden sich am meisten für organisatorische Dinge interessieren. Aha, die Eltern hatte ich bei einer Zielgruppe von Studienanfängern nicht bedacht. Ich erkundige mich was mit organisatorischen Dingen gemeint sei,  “Was braucht man für Noten, was muss in die Bewerbung mit rein, wie lange dauert der Bewerbungsprozess und wo kann man da wohnen.” Ich wende ein, dass sie die Informationen alle selbst auf der Homepage nachlesen können. Das sei zu schwer für junge Chinesen. Irritiert gehe ich wieder an meinen Platz.

Intercultural understanding

Wenn man innerhalb des größten Volks der Welt lebt, erhält man gute Eindrücke über die Kultur und die gesellschaftlichen Strukturen des Landes. Ich skizziere kurz ein grobes Bild. Möchte vorher aber klar stellen, dass Äußerungen, die für westliche Menschen eventuell rassitisch erscheinen mögen, einfach nur objektive Feststellungen sind. Das Chinesische Volk hat eine lange Geschichte hinter sich, in der es immer geführt wurde. Für den Großteil der Bevölkerung scheint das auch kein Problem zu sein. Dies setzt sich in den Familien fort. Sehr Aufmerksamkeit von zu vielen Erwachsenen wird auf eins oder höchstens zwei Kinder verteilt. Dadurch wachsen größtenteils nur unselbstständige Menschen ohne Lebenserfahrung heran. In einem System, in dem sie niemals selbst agieren müssen und von der Mehrheit auch keine Eigeninitiative kommt, scheint eine simple Internet-Recherche eine große Schwierigkeit darzustellen. Kritische Reflexion ist eine Fähigkeit, die nicht gefördert, sondern unterdrückt wird. Ich verstehe, dass ich das Interview anders angehen muss. Also fokussiere ich mich darauf, welches Wissen für die Organisation eines solchen Auslandsstudiums in einer chinesischen Familie gefragt ist. Ich lege meiner Kollegin den neuen Fragenkatalog vor. Diesmal ist sie zufrieden. Als Interview-Parnerin wird mir eine Kollegin aus der Podcast-Redaktion zur Seite gestellt. Im nächsten Teil verrate ich euch, wie das Interview lief und was die Emory Law School international für Pläne schmiedet.

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