Emory Law School

Journalism in China: Interviewing Part 2

Während wir zu dem Hotel fahren in dem das Interview stattfinden soll, stelle ich mir vor wie die Amerikaner auf eine Deutsche reagieren werden, die bei einem chinesischen Verlag arbeitet, der so eng mit der chinesischen Regierung verknüpft ist. Eher erleichtert schüttelten mir der Dean Robert A. Schapiro und Assistant Dean Jessica Dworkin die Hände als ich sie in fließendem Englisch begrüße.

Vorab klärte ich mit meiner Partnerin, dass ich das Interview führen werde und sie die Tonaufnahme macht. Erleichtert darüber kein Englisch sprechen zu müssen lehnte sich meine Kollegin entspannt zurück. Als ich sie jedoch mit dem Gerät hantieren sah, wuchsen erste Zweifel in meinem Kopf, ob das die richtige Entscheidung gewesen ist. Hinter der Hand erkundige ich mich, ob sie Hilfe bräuchte. Sie lehnte ab und legte das Aufnahme-Gerät in die Mitte unserer Sitz-Runde. Etwas naiv dachte ich mir, dass die Chinesen aber top Aufnahme-Geräte haben müssen, wenn diese Distanz zu den Interviewees ausreicht.

Somebody came prepared

Sehr professionell und gut vorbereitet priesen die Interviewees die Emory Law School an. Während sich der Dean in einer outstanding dies und outstanding das Orgie verlor, fragte ich mich wer der PR-Berater von der Emory University ist. Ich bin von dem PR-Spektakel fasziniert.

Jessica Dworkin & Dean Robert A. Schapiro
Jessica Dworkin & Dean Robert A. Schapiro

In China entscheidet die Punktzahl beim Gao Kao welche Universität jemandem zugewiesen wird. Deshalb spielen für Chinesen Noten eine so große Rolle. Jessica Dworkin betont, dass es wichtig ist den Fokus nicht nur auf die perfekte Bewerbung zu legen sondern den Prozess vorher bei sich selbst zu beginnen. Was möchte ich aus meiner Zeit bei Emory rausholen und nicht was glaube ich tun zu müssen, um bei Emory aufgenommen zu werden. Ich lies sie dies nochmals hervorheben, da mir klar war, dass dies der Knackpunkt im Verständnis einer chinesischen Familie werden dürfte.

Die letzte Frage sollte eine kleine Herausforderung werden. Ich wollte, dass der Dean versucht mich davon zu überzeugen an der Emory University zu studieren. Da die Zielgruppe aber Chinesen sind durfte meine Partnerin als Überzeugungsobjekt herhalten. Nachdem der Dean mit seinem Vortrag fertig war schwebte meine Kollegin bereits auf Wolke sieben. Völlig von den Socken wiederholte sie nochmal die Frage, die ich bereits im Interview gestellt hatte und die mehr als ausführlich beantwortet wurde: “Was muss in die Application, um aufgenommen zu werden?” Unsere Interviewees schauen angesäuert.

Patience, Patience, Patience

Mein Soundtrack dazu kam von Slayer
Mein Soundtrack dazu kam von Slayer

Am nächsten Tag höre ich mir die Audi-Datei an. So gut wie unbrauchbar. Ich versuche interkulturelle Toleranz und Verständnis durch meine Adern fließen zu lassen. Ich gehe zu meiner Partnerin, um mit ihr über die fast unbrauchbare Datei zu sprechen. Es erfolgt eine beeindruckende Art des Ablenkens und Darum-herum-Redens, wie es typisch für Chinesen ist. Kritik – auch Konstruktive – gibt es hier nicht. Ich lade ein Tonbearbeitungsprogramm herunter, das leider auf Chinesisch ist. Ich bitte meine Partnerin mir im Dropdown Menü zu sagen, wo verschiedene Optionen liegen. Sie wirft einen Blick auf meinen Bildschirm: “Das sieht kompliziert aus. Gar nicht so wie bei meinem Programm.” Während sie das sagt, hebt sie abweisend die Hände und entfernt sich schnell rückwärts von mir. Ich rufe ihr nach, dass es sich hier doch lediglich, um eine Übersetzungsaufgabe handelt. “Nein. Nein.”, sie verschwindet hektisch. Also bediene ich das Programm intuitiv. Klappt soweit, dauert nur länger. Auch überarbeitet kann man das Gesagte kaum verstehen. Aber ich schaffe es zum Glück trotzdem noch.

Loss of face

Ich bin enttäuscht und aufgebracht über das Verhalten meiner Partnerin. Ich bespreche das Problem mit meinem Mitbewohner und er gibt mir hilfreiche Tipps für den Umgang mit Chinesen. Der Kern des Problems ist die asiatische Angst vor Gesichtsverlust. Meine Frage, ob sie weiß wie man eine Aufnahme macht, hätte ich mehrfach – und mit anderen Worten – stellen sollen. So könne ich aus den Antworten raushören, ob sie weiß wie es geht oder nicht. Auch wenn Arbeitsaufträge nicht verstanden werden ist es üblich trotzdem ja zu sagen und nicht nachzufragen. Als Europäer schwer nachvollziehbar. Auch wenn die Zusammenarbeit in einer so fremden Kultur schwierig war, bin ich letztendlich doch sehr stolz, die Herausforderung gemeistert zu haben.

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