Editorial Team - English Salon

Journalism in China: Research and Writing

Beim Überarbeiten der Artikel für das Magazin fallen mir Unterschiede in puncto Wortwahl und Form der Texte auf. Zunächst verbessere ich lediglich die Sprache, da mir der kulturelle Unterschied noch nicht ganz klar ist. Als der erste Auftrag für einen eigenen Artikel auf meinen Schreibtisch flattert, frage ich genauer nach.

Während man in Deutschland penibel genau auf eine sachliche und auf Fakten basierende Darstellung achtet, schreiben und konsumieren Chinesen anders. Es besteht wenig Interesse an Fakten, Zahlen und Objektivität. Allgemein gesprochen: Alles was Deutsche mögen interessiert Chinesen kaum. In ihrem Medien-Konsum sind sie sehr emotional. Neben Boulevard interessieren chinesische Jugendliche vor allem Erfahrungsberichte. Die Schreibweise, die in Blogs üblich ist, findet in China auch ihren Weg in Print-Magazine. Also redigiere ich größtenteils Texte mit pathetischer Wortwahl in Ich-Form.

Eines Tages bekomme ich von meiner Chefredakteurin den Auftrag einen Artikel über das Leseverhalten von Jugendlichen zu schreiben. In schwammiger Form erklärt sie mir, dass sie mal gehört habe, dass besonders Deutsche sehr belesen sind. Das Problem in China sei, dass kaum Bücher gelesen werden, da die chinesischen Jugendlichen nur noch mit ihren Smartphones und Tablets in Sozialen Netzwerken unterwegs seien. Die Problematik wurde bereits von einigen Intellektuellen aufgegriffen und diskutiert, aber man wisse keine Lösung für das Problem.

Da ich in einem staatlichen Verlag arbeite, in dem selbstverständlich keine kritischen Texte publiziert werden dürfen, denke ich kurz über den Auftrag nach. Der chinesischen Regierung sind die Sozialen Netzwerke ein großer Dorn im Auge. Während die klassischen Medien alle kontrolliert werden, bietet besonders das Internet eine Freiheit, die den Chinesen von der Regierung nicht gewährt bekommen. Das Verbreiten von “schädlichen Gerüchten” ist in China strafbar und kann bei entsprechender Reichweite hart bestraft werden. Bestimmte Suchbegriffe sind bei baidu.com – dem chinesischen Google – vollständig gesperrt. Selbstverständlich ist es dann im Interesse der Regierung das Lesen von Print-Produkten im 21. Jahrhundert zu fördern. Ich frage wann ich mit der Recherche beginnen kann. Entgeistert schaut sie mich an: “No Research! Research is authority level.”

“Be Smart and Start to Read”

Letztendlich tue ich das was ich am besten kann: Ich versuche andere zu etwas zu bringen was ich selbst nicht tue. Und zwar Bücher lesen. Ich lese unglaublich viel allerdings kaum bis gar nicht im Print-Format. Doch da ich mich genau wegen dieser Art von Einblicken in die chinesische Medienwelt für Journalismus anstatt für PR entschieden habe, versuche ich das ganze positiv zu nutzen. Das heißt: Wenn ich schon Propaganda mache dann wenigstens richtig.

Ich überlege, wie man chinesische Jugendliche am besten davon überzeugen kann offizielle Quellen zu lesen, anstatt sich nur auf Soziale Netzwerke zu fokussieren – ohne dabei das Blaue vom Himmel zu lügen. Ich schreibe meinen Bericht so dass sich chinesische Jugendliche mit mir identifizieren können und spiele mit der schwierigen Job-Situation, die derzeit in Beijing herrscht. Ich betone, dass ich selbst digitale Quellen bevorzuge, beschreibe die Vorteile eines eBook-Readers im Vergleich zu Tablets und heben hervor, dass ich ohne meine Leidenschaft für das Lesen niemals meinen beruflichen Werdegang hätte bestreiten können.

“You are so efficient. Very German.”

Während ich mir Zeit lasse und gemütlich 800 Wörter runtertippe, liefere ich am Ende des Tages meinen Bericht bei der Chef-Redakteurin ab. Wie gewohnt wundert sie sich, dass ich so “zügig” fertig bin und bedankt sich für meine wundervolle und effiziente Arbeit. Genau so habe sie sich das vorgestellte. Sie strahlt mich an. Call me Miss Propaganda! 😀

Leider ist meine Zeit beim English Salon nun auch schon wieder vorbei. Zum Abschied bestehen alle auf ein gemeinsames Foto-Shooting. Da ein Gruppenbild von allen gemeinsam nicht genug ist, stellen sich alle ordentlich in einer Reihe auf, um sich mit mir ablichten zu lassen. Während mein Lächeln nach etlichen Bildern einfriert, fallen meinen Kollegen immer neue Posen ein. Aber seht selbst:

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Bildquelle: Tony Hegewald / pixelio.de

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