China Radio International

Mein Tag bei China Radio International

Bereits von Deutschland aus hatte ich mich bei China Radio International (CRI) beworben. Nachdem der Personalabteilung meine Bewerbung sehr gut gefallen hatte, sollte ich noch drei Fragen beantworten, in denen es größtenteils darum ging warum ich mich gerade für CRI und China interessiere. Meine Antworten brachen mir das Genick und führten zur Absage.

China Radio International
China Radio International

Die kulturellen Unterschiede führen oft zu Missverständnissen auf beiden Seiten. Deshalb ist es zu Beginn, besonders auf der beruflichen Ebene, wichtig sich zu informieren oder gegebenenfalls beraten zu lassen. Vorab sprach ich meine Antworten mit einem Chinesen ab, um genau dies zu vermeiden – vergebens. Mein Interesse an China liegt in seinem andersartigen Mediengesetz begründet. Diese Unterschiede zu erfahren und zu lernen, wie man zwischen investigativem Journalismus und dem eingeschränkten Informationsrecht die Balance hält, erläuterte ich in meinen Antworten. Das war zu ehrlich für ein staatliches Medienhaus. Ich bekam eine Absage. Als ich dann doch zu einem “Schnuppertag” eingeladen wurde, erfuhr ich warum. Die Personalabteilung findet, dass es ein Geheimnis bleiben müsse, wie die Arbeit der Journalisten bei CRI mit dem chinesischem Mediengesetz vereinbar ist.

Und jetzt bist du dran…

China Radio International sendet seit 1941 und mittlerweile in 65 Sprachen. Zu denen allerdings auch unterschiedliche chinesische Dialekte gehören. Kaum hatte ich die deutsche Redaktion betreten, bat mich die Chefredakteurin zu sich. Gleich würde mich jemand abholen – es sei ein Interview geplant. Erfreut darüber sofort einsteigen zu können, erkundige ich mich mit wem. “Mit dir”, sagt sie und zeigt auf mich. Sie kichert als sie mein Gesicht sieht. Es seien nur Fragen zu meiner Person. Alles halb so schlimm. Eine kleine und etwas ältere Chinesin kommt auf mich zu gewackelt, hakt mich unter und führt mich ins Aufnahmestudio. Situationen im Aufnahmeraum gehören zu meinen persönlichen Worst-Case-Szenarien. Glücklicherweise gilt dies scheinbar nur für Einzelaufnahmen und nicht für Interview-Situationen, wie ich jetzt erfahren durfte. Ich stelle mich kurz vor, beschreibe meine Erfahrungen als Journalist in China, darf die positiven Aspekte an der Homepage und dem Programm von CRI analysieren und richte einen persönlichen Gruß an die deutschsprachigen Hörer. Jeden den es interessiert: Hier gibt es mein Interview zum anhören.

China Radio International
China Radio International

In der deutschen Redaktion arbeiten sechs deutsche Journalisten und 24 Chinesische. Als ich von der Aufnahme zurückkehre und mir ein Platz zugewiesen wird, echauffiert sich gerade ein Horst Lichter-Verschnitt in tadellosem Kölsch darüber, dass die Chinesische Post ein Weihnachtsgeschenk an eine entfernte Poststelle weit außerhalb Beijings geschickt hat: “Jetz is dat schon das zweite Mal. Als ich dat letze Mal da war war dat noch rischtig Pampa. Wahnsinn was sich da getan hat.” Er unterhält damit die ganze Redaktion.

Im Laufe des Tages übersetze ich Meldungen für die Aufnahme der Sendung am Abend, werde durch das Gebäude geführt und erhalte Einblick in die verschieden sprachigen Redaktionen. Insgesamt arbeiten 3000 Menschen für CRI. Besonders die Japanische Abteilung interessiert sich für mich. Eifrig reden alle durcheinander, zahllose Fragen prasseln auf mich ein, ich werde mit Informationsmaterial überhäuft und jeder, der jemanden kennt, der schon mal in Deutschland war berichtet mir davon.

In Anbetracht, dass CRI am äußeren westlichen Rand von Beijing liegt und ich das erste Mal hautnah die Rush-hour in der U-Bahn miterleben durfte, bin ich eigentlich etwas froh, dass es dort nicht geklappt hatte. Im Entenmarsch und nur mit winzigen Tippel-Schritten schob sich die Menschenmasse beim Umsteigen durch die Gänge. In der Bahn stehen alle dicht gegeneinander gedrängt. Von CRI bis zu meiner Haustür brauche ich während der Rush-hour fast zwei Stunden. Auf meiner Heimfahrt gegen 19 Uhr begleitet mich ein Redakteur aus der Japanischen Abteilung. Er wohnt in meiner Nähe und fährt die Strecke jeden Tag. Seit 8 Jahren.

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2 thoughts on “Mein Tag bei China Radio International

  1. Dass für dich Szenarien im Aufnmahme-Studio zum Worst Case gehören, ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass es besser ist, dass du nicht beim Radio arbeitest, oder? Also, neben der langen Ubahn-Fahrt natürlich… 🙂

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    1. Also Interview-Situationen kann ich problemlos meistern. Aber alleine im Studio Texte einsprechen liegt mir eher weniger. Allerdings kann man auch problemlos beim Radio arbeiten ohne jemals einsprechen zu müssen. Trotzdem könnte ich mir das langfristig gesehen nicht als Job vorstellen.

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