Ausländer in China

Mein Leben als Ausländer

Wer oder was regiert China? Ist es Kommunismus? Oder Kapitalismus vielleicht? Das was China meiner Erfahrung nach – aber ich kann nur für Beijing sprechen – regiert ist Nationalismus. Chinesen haben einen massiven Nationalstolz. Nett ausgedrückt. Rassismus könnte man es auch noch nennen. Doch was heißt es sich damit tagtäglich auseinander zu setzen?

Als Westler denkt man bei dem Wort Rassismus vielleicht sofort an Hitler oder die Versklavung von Afrikanern in Amerika. Die Chinesen leben ihren Rassismus anders aus. Was im Westen durch Gewalt und Unterdrückung zum Ausdruck gebracht wird, zeigt sich bei Chinesen nur in ihrem Verständnis von Hierarchie. China – das Land der Mitte. Das sagt man nicht nur so. Diese Ansicht wird gelebt. Das Zentrum der Welt, eine Jahrtausende alte Kultur, eine explosionsartige wirtschaftliche Entwicklung, wie sie kein Land zuvor gesehen hat. China ist nicht nur das aller aller aller bestesteste Land, das es tatsächlich auf dieser Welt gibt. Sondern selbstverständlich beherbergt es auch die beste Bevölkerung der Welt. Das ist aus chinesischer Sicht nur eine logische Schlussfolgerung.

Zu Beginn muss ich sagen, dass diese Art zu denken bei mir zu Unverständnis geführt hat. Von dem hochentwickelten Land vor dem sich der Westen so fürchtet überrollt zu werden, war bei meiner Ankunft wenig zu sehen. Die Jahrtausende alte Kultur wird durch unnötige Bauprojekte oder Renovierungen zerstört und in puncto Überlegenheit der Bevölkerung war mir nach einer Zeit klar, dass die gesellschaftliche Entwicklung noch weit hinter der Wirtschaftlichen zurückliegt.

Viele Erfahrungen – sowohl positive als auch negative – habe ich in den letzten Monaten machen dürfen. Viele Deutsche leben hier in ihrer Expat-Blase, in einem deutschen Unternehmen, in einer westlichen Wohngegend. In meinem Viertel habe ich noch keinen einzigen wàiguóchuán (Ausländer) außer mir gesehen. Auch in den Vierteln in denen ich arbeite, gibt es außer mir keine weißen Geistermenschen. Während ich im Bus oder in der Subway zwischen anderen Chinesen eingepfercht bin, kann ich in der Spiegelung der Tür die Reaktionen der Menschen hinter mir sehen. Häufig lehnen sich gerade Jungen vor und fassen in meine braunen Locken, die zwischen den glatten schwarzen Haaren der Chinesen aus der Masse herausstechen. Andere lehnen sich vor und riechen an meinen Haaren – creepy.

Auf meiner Arbeit in chinesischen Unternehmen wird hauptsächlich Chinesisch gesprochen. Ich arbeite mit chinesischen Programmen auf Chinesisch. Ich esse in der Kantine mit meinen chinesischen Kollegen chinesisches Essen. Meistens weiß ich nicht einmal was ich gerade esse. Vielleicht besser so. Obwohl alle Chinesen Englisch lernen beherrscht kaum jemand die Sprache – selbst Redakteure bei einem bilingualen Magazin. Es ist kaum zu fassen wie anstrengend es sein kann mit Menschen zusammen zu arbeiten, die keine der Sprachen, die ich spreche, verstehen.

Keilerei!

Leider ging dieser Kelch auch nichtb an mir vorbei. In meiner Zeit musst ich zwei handgreiflichen Auseinandersetzungen mit einem Rikscha-Fahrer und einer Frau von einem Essens-Stand erdulden. Ansonsten verlief die Diskriminierung meiner Person zum Glück immer gewaltfrei.

Das eigentlich größte Problem stellte für mich anfangs das Taxi fahren dar. 50 Prozent der Fahrer schmissen mich wieder aus dem Auto als sie merkten, dass ich kein Chinesisch spreche. Bei anderen Westlern das gleiche Bild. Manche Fahrer steuern auf dich zu, wenn sie dich am Straßenrand entdecken, doch sobald sie bemerken, dass du ein Geistermensch bist, drehen sie ab und fahren weiter. Konstant und täglich offene Ablehnung zu erfahren war für mich besonders zu Beginn in einer Kultur, die so anders ist, nicht leicht. Nicht nur einmal habe ich mir sehr hitzige und aggressive Diskussionen mit den Fahrern geliefert als dieser mir auf Grund meiner Herkunft seine Dienstleistung verweigerte. Ohne Taxis gibt es für mich keine Möglichkeit nach Hause zu kommen. Der Fußmarsch beträgt lauf Google Maps 2 Stunden. (Ja, ich habe das nachgeprüft, weil die Abhängigkeit von Menschen, die einem nicht gut gewillt sind, unterträglich sein kann.) Mittlerweile schmeißt mich niemand mehr aus dem Taxi denn ich weiß mir zu helfen.

How to Taxi

Ich habe mit anderen Westlern gesprochen, denen ähnliches passiert. Also falls du jemals nach China reisen solltest – merk dir diese Methode. Sie führt verlässlich zum Ziel. Sobald du ein Taxi bekommen hast – rein setzen! Nein, wir fragen nicht erst dem Fahrer an der Scheibe und zeigen ihm einen Zettel. Am besten benötigst du gar nicht erst einen. Lerne die Adressen zu denen du häufig fährst auswendig und spreche sie richtig aus. Nicht irgendwie – sondern richtig. Wenn du Glück hast dreht sich der Fahrer nicht nach hinten und realisiert nicht, dass du Ausländer bist und er dich nicht fahren möchte. Sollte es zu dem Punkt kommen an dem er dich rausschmeißen will – bleib sitzen! Bleib ruhig! Zeige ihm deutlich, dass er losfahren soll. Oft fangen die chinesischen Taxi-Fahrer an dem Punk an zu schreien. Schrei nicht zurück! Wenn du hinten eingestiegen bist, lehn’ dich nach vorne und beschäftige dich eingehend mit dem Schild, das vor dem Beifahrer-Sitz befestigt ist. Dort steht die Nummer des Taxis, der Name des Fahrers und eine Telefonnummer. Denn das was der Taxi-Fahrer mit dir machen will verstößt gegen das Gesetz. Sobald der Gast im Taxi sitzt, muss der Fahrer dich fahren – egal wohin und egal wer du bist. Nachdem du dem Fahrer so deutlich gemacht hast, dass du über diese Gesetz informiert bist, mache ihm nochmal deutlich klar, dass er losfahren soll. Funktioniert immer. Für harte Fälle kann man noch das Smartphone zücken und anfangen zu wählen. Aber wirklich anrufen wirst du natürlich nicht. Die Taxi-Fahrer werden dafür bestraft, was bei ihrem Gehalt eine etwas übertriebene Strafe wäre.

Mein Fazit

Ich habe in China unendlich viel über mich gelernt. Darüber wie anpassungsfähig ich sein kann, wie geduldig, wie offen und wie spannend es für mich ist in einer so andersartigen Kultur zu leben. Die negativen Aspekte hätte ich mir an vielen Punkten sparen können aber vor allem die junge Generation ist unendlich neugierig und offen und begegnet Geistermenschen niemals abweisend. Sie wollen alles über den Westen wissen, sie wollen wissen was du gerne tust, was dir gefällt, wie das Land ist aus dem du kommst, wie Facebook und Twitter aussieht. Sobald dich eine Chinese in sein Herz geschlossen hat kommst du dort so schnell nicht wieder raus. Sie werden dir den Weg zeigen, dich zur Not begleiten, dir 1000 Dinge empfehlen, dir beim Bestellen helfen, zur Not noch dein Essen tragen, dich mit deinem Lieblingsessen mästen bist du platzt, dich wie ein Baby pflegen, wenn du krank bist, dich anrufen, wenn du dich länger nicht gemeldet hast, weil sie in Sorge sind, dass der Geistermensch verloren gegangen ist. Kurzum: Sie werden alles tun, um dir den Aufenthalt in ihrem Land so angenehm wie möglich zu machen. Und das entschädigt für einiges.

Trotzdem: Ich wünsche jedem Rechtspopulist ein paar Monate in China zu verbringen ohne Chinesen zu finden, die ihn mögen. Ja…genauso armselig verhältst du dich gegenüber anderen – nur diesmal trifft es dich. Enjoy!

Bild: © drubig-photo – Fotolia.com

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s